Im Gespräch mit Emir Karaman
Strategie und Verantwortung
Der Vorstand für Konzernstrategie, Digitalisierung und Innovation.
Emir Karaman verantwortet seit 2023 die Konzernstrategie. Im Gespräch erklärt er, warum Aurenta die Softwareentwicklung ins Haus geholt hat und wo er die Grenzen der Technologie sieht.
Zur Person
Emir Karaman, 47, ist seit 2023 Mitglied des Vorstands der Aurenta Group SE. Der studierte Elektrotechniker kam 2014 als Leiter der Antriebsentwicklung ins Unternehmen und verantwortete ab 2019 das Segment Energy Systems. Er ist verheiratet und lebt in Kassel.
— Herr Karaman, welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in der Konzernstrategie?
Emir Karaman: Eine tragende, aber keine eigenständige. Wir haben keine KI-Strategie, wir haben eine Produktstrategie – und KI ist das Mittel, mit dem wir sie umsetzen. Der Unterschied ist wichtig: Sobald ein Unternehmen anfängt, KI als eigenes Ziel zu behandeln, entstehen Projekte, die niemand braucht.
Konkret heißt das: Jedes Modell, das wir entwickeln, muss einer Anlage im Feld helfen. Wenn es das nicht tut, wird es nicht gebaut, egal wie interessant es technisch wäre.
— 2026 haben Sie die Softwareentwicklung vollständig ins Haus geholt. Warum?
Weil wir gemerkt haben, dass wir das Wichtigste ausgelagert hatten. Die Steuerungssoftware ist kein Zulieferteil, sie ist das Produkt. Ein externer Dienstleister kann sehr gute Arbeit leisten – aber er kann nicht wissen, was ein Kunde in Fulda beim Umrüsten erlebt.
Der Aufbau hat uns 34 neue Stellen und ein schwieriges Jahr gekostet. Rückblickend war es die richtige Entscheidung: Die Zeit von der Idee bis zum ausgelieferten Update hat sich mehr als halbiert.

Emir Karaman verantwortet seit 2023 Strategie, Digitalisierung und Innovation.
— Wie stellen Sie sicher, dass der Einsatz verantwortungsvoll erfolgt?
Durch eine sehr einfache Regel: Unsere Modelle bewerten Maschinen, keine Menschen. Das steht in der Konzernrichtlinie, ist vom Betriebsrat mitgezeichnet und wird jährlich geprüft.
Dazu kommt, dass jede Empfehlung eines Modells nachvollziehbar sein muss. Wenn das System einen Lagertausch vorschlägt, sieht die Instandhaltung, welche Messwerte dazu geführt haben. Eine Blackbox würde in der Werkhalle ohnehin niemand akzeptieren.
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Eine Blackbox würde in der Werkhalle ohnehin niemand akzeptieren.
Emir Karaman
— Was bedeutet das für die Mitarbeitenden?
Die Arbeit verschiebt sich von der Reparatur zur Planung. Das ist für viele eine Umstellung, und wir wären unehrlich, wenn wir behaupten würden, das falle allen leicht. Wir haben im vergangenen Jahr 4.100 Schulungsstunden angeboten, vor allem in der Instandhaltung.
Was wir nicht getan haben: Stellen abgebaut. Im Gegenteil, wir sind um 96 Personen gewachsen. Die Technologie nimmt uns Tätigkeiten ab, für die wir ohnehin zu wenig Leute finden.
— Wie sieht Ihre Vision für die kommenden Jahre aus?
Ich hätte gern, dass ein Kunde in fünf Jahren nicht mehr zwischen Anlage und Software unterscheidet, sondern einfach sagt: Das System läuft. Technisch sind wir auf dem Weg dorthin.
Wirtschaftlich wollen wir den Anteil wiederkehrender Erlöse von heute 20,7 auf rund 30 Prozent bringen. Das macht uns unabhängiger von den Investitionszyklen unserer Kunden – und die schwanken stärker, als vielen lieb ist.
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